Foto: L. Stein / DRK Hersfeld

Rettungsdienst im Einsatz

So könnte ein Notfalleinsatz ablaufen:
„Achtung, Achtung! Hier Leitstelle Hersfeld-Rotenburg mit Einsatz für Rotkreuz Hersfeld Rotenburg 2-82-1 und Rotkreuz Hersfeld Rotenburg 2-84-1: Verkehrsunfall auf der B62 Bad Hersfeld Richtung Friedewald –wahrscheinlich PKW-Fahrer eingeklemmt!“
 
Diese Durchsage der Leitstelle ist aus dem kleinen Meldeempfänger („Piepser“) zu hören, den die Besatzungen des Rettungswagens (RTW) und des Notarzteinsatzfahrzeuges (NEF) am Gürtel tragen. Notarzt, Rettungsassistent und die Rettungssanitäter wissen, dass sie nun mit Sondersignal („Blaulicht und Martinshorn“) so schnell wie möglich an die Einsatzstelle fahren müssen ohne dabei sich und die anderen Verkehrsteilnehmer zu gefährden.
Am Unfallort sehen sie, dass ein PKW Fahrer eingeklemmt ist. Sie müssen ihre Fahrzeuge so abstellen, dass die nachfolgenden Feuerwehrfahrzeuge mit ihren technischen Geräten, am Unfallauto arbeiten können.
 
Der mitalarmierte Notarzt untersucht nun kurz den Fahrer. Danach wird dieser in Teamarbeit soweit stabilisiert (Sicherung der Atmung, Anlegen einer Infusion, Schmerzstillung, evtl. Schienung usw.), dass die Feuerwehr mit der technischen Rettung beginnen kann. Ist der Patient aus seinem Auto befreit, wird er auf die Trage gelagert und in den RTW gebracht. Nun wird er noch einmal genauer untersucht und für den Transport vorbereitet (das ist der Grund, warum die Einsatzfahrzeuge evtl. länger an der Einsatzstelle stehenbleiben. -Trage ins Auto, Türen zu und sofort los mit Horn und Vollgas- das kommt eigentlich immer nur in schlechten Filmen vor!) Parallel zur Patientenversorgung fragt das Team über Funk nach, welche geeignete Klinik in der Nähe den Patienten aufnehmen kann. Danach muss entschieden werden, ob der Patient im Rettungswagen dorthin transportiert oder evtl. ein Rettungshubschrauber angefordert wird.
 
Das Klinikum Bad Hersfeld lässt der Leitstelle ausrichten, dass es diesen Patienten aufnehmen kann. Ist die Versorgung vor Ort abgeschlossen und der Patient transportfähig gemacht, fährt der RTW mit Notarzt an Bord mit Sondersignal aber langsam und schonend (bei bestimmen Erkrankungen / Verletzungsmustern evtl. sogar nur mit Schrittgeschwindigkeit) zur aufnehmenden Klinik. Der NEF-Fahrer folgt dem RTW ohne Sondersignal.
 
Im Klinikum angekommen wird der Patient übergeben und die Fahrzeuge werden für den nächsten Einsatz bereitgemacht.
Soweit eine knappe „technische“ Beschreibung des Einsatzablaufes, aber was ist mit den Gedanken und Gefühlen, die die beteiligten Personen währenddessen begleiten?
Hier einige wenige Beispiele:
  • Notarzt und Rettungsassistent: Reicht meine Ausbildung/Einsatzerfahrung aus, diesen Patienten adäquat zu versorgen?
  • Rettungssanitäter: Werde ich es schaffen, das Fahrzeug unter den gefährlichen Bedingungen einer Sondersignalfahrt sicher und schnell an die Einsatzstelle zu bringen?
  • alle Einsatzkräfte: Hoffentlich ist der Patient kein Familienmitglied, Freund oder Kollege von mir!
  • Patient: Hoffentlich muss ich diese Schmerzen nicht noch lange ertragen!, Hoffentlich verstehen die von Rettungsdienst und Feuerwehr ihr Handwerk! Werde ich wieder vollkommen gesund? Was wird aus Familie und Beruf während ich krank bin?

Ein Autofahrer im Stau: Na, prima, eine Straßensperrung! –Da konnte wieder einer nicht autofahren und ich muss es jetzt ausbaden. Ich muss in 10 Minunten an der Arbeit sein, dass kann ich ja wohl jetzt vergessen! Können die sich nicht mal mehr beeilen? Warum muss denn dieser Krankenwagen noch ewig hier herumstehen? - Türen auf, Opfer rein, Türen zu und los mit tatü und Vollgas...